Monique Lhoir - Autorin und Lektorin in Tespe-Bütlingen ... Geschichten, Meer und noch mehr
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Biikebrennen in Husum

Am 21. Februar wird es im Lande der Nordfrie-sen urgemütlich, auch wenn das Wetter noch so grauslich, kalt, windig und regnerisch ist. Dann treiben sie alljährlich an ihrer Küste, auf den Inseln und Halligen mit gewaltigen Biikefeuern, mit Essen, Trinken und Tanzen den Winter aus.
Eine hervorragende Idee. Obwohl wir in Bad Büdlingen wohnen, ist es ja gar nicht so weit bis zur Nordseeküste. Und für das Winteraustreiben bin ich allemal zu haben.
So ging es dann am frühen Mittag auf nach Husum. Zuerst wurde uns ein zünftiger Grünkohl mit, Kassler, Mettwurst, Schweinebacke, Brat-kartoffeln und süßen kleinen Kartoffeln im Hotel Storm mit angeschlossenem Brauhaus serviert. Natürlich als Nachtisch rote Grütze mit Vanillesoße. Eine ziem-lich gute Grundlage für den späteren Aufenthalt am Abend direkt an der Nordsee-küste.

Aber was ist Biike? Laut dem Sylter Friesisch heißt es „Feuerzeichen“ und geht bis auf die heidnischen Zeiten zurück. Schon vor zweitausend Jahren sollte der Opferbrand Gott Wotan gnädig stimmen und ihn dazu bewegen, die ungeliebte eisige Jahreszeit zu beenden. Von diesem Ursprung hat sich bis heute hier und da der Brauch erhalten, eine Stroh-puppe mit zu verbrennen. Aber die Feuer leuchte-ten auch nach der Christianisierung weiter über die See: Der 22. Februar wurde zu Ehren des Schutz-patrons der Fischer zum Petritag. Seit dem 17. Jahrhundert war die Biike für die nach langem Winter wieder auslaufenden nordfriesischen Walfänger der Abschieds-gruß von der Heimat. Und weil man vor der lebensgefährlichen Fangsaison alle Rechtsfragen geordnet haben wollte, wurde gleich noch Gerichtstag gehalten.

Beim Biikebrennen, dem ältesten nordfriesischen Brauch, sind die Ein-heimischen bis heute mit Begeiste-rung dabei. Mancherorts sammeln die Konfirmanden schon Wochen vorher Holz und Reisig, aber auch in den friesischen Vereinen und in den Küchen geht es rund. Und wenn der riesige Holzstoß dann herunterge-brannt ist, treffen sich die Nordfriesen und ihre Gäste zum deftigen Grün-kohlessen mit Kasseler und Schwei-nebacke, Teepunsch und Grog. Hier und da haben die Schulkinder am nächsten Tag frei. Das Biikebrennen – das „Nationalfest der Friesen“. Toll war, wie die Kinder und Jugendlichen der Feuerwehr Husum mit Eifer und Ernsthaftigkeit bei der Sache waren.

Tja, eine Fehlinformation von Reisering war al-lerdings, dass der Weg vom Busparkplatz bis zum Standort des Biikebrennens ungefähr 600 Meter und somit leicht zu Fuß zu erreichen sein sollte. Weit gefehlt. Ich hatte mir bereits im Restaurant die Strecke über Google Maps ange-guckt und war verblüfft darüber, was Reisering unter 600 Meter versteht. Es waren tatsächlich 2,4 Kilometer. Klare Sache, dass wir den kosten-losen Pendelbus nahmen, denn hin und zurück wären es fast fünf Kilometer gewesen. Allein von der knappen Zeit, die wir zur Verfügung hatten, hätten wir das gar nicht geschafft, ge-schweige denn, etwas vom Biikebrennen mitbe-kommen. Also, liebe Reisegäste, immer genau hingucken und vorher abklären, was Reisering so schreibt. Reisering nannte das in ihrem Prospekt so: „Bei Dämmerung erleben Sie nach einem kurzen Spaziergang (oder per Shuttle-Buszubringern) den uralten Brauch der Nordfriesen, das Biikefeuer, in der Husumer Bucht. Allerdings ist Reisering in der Hauptsache auf ältere Gäste spezialisiert – was sie auch gut machen. Aber Senioren schaffen diese Strecke mit Stock, Rollator oder sonstigen Gehhilfen nicht innerhalb eines kurzen Spaziergangs.

Bus_by_Manfred Schütze_pixelio.de

Eine Zumutung war allerdings der Bus 8890 von Berge-dorf nach Geesthacht. Dadurch, dass wir erst nach 22:00 Uhr in Bergedorf ankamen und aufgrund der Tat-sache, dass der Bütlinger Abenteuerbus um diese Zeit unter gar keinen Umständen mehr fährt (wir wissen inzwischen, dass die Bewohner von Bad Bütlingen früh schlafen gehen müssen), mussten wir es mit dieser Linie vorlieb nehmen. Dieser Bus war wirklich ein Abenteuer. Von Innen war offenbar nur Kunstoff verbaut worden (Plaste-Bus), komplett überfüllt und merkbar ohne Stoßdämpfer. Der Busfahrer – wohl selbst von seinem Bus frustriert – bretterte über die Straßen und in die Bushaltestelle hinein, als wenn er mit Gewalt das Ding zu Schrott fahren wollte, um es endgültig loszuwerden. Das kann ich verstehen. Also, diese  Linie werden wir zukünftig absolut meiden. Dafür mussten wir auch noch Geld bezahlen. Meiner Meinung nach hätte uns die VHH eine Entschädigungs-leistung wegen fahrlässiger Körperverletzung zahlen müssen und sämtliche Ortho-päden inkl. der Krankenkassen hätten darauf hingewiesen, dass dieser Bus nicht für Menschen mit künstlichen Hüftgelenken geeignet ist. Benutzung auf eigene Gefahr und keine Kostenerstattung bei Schäden an Gelenken von Seiten der Krankenkasse.

Termin 26. Mai 2019

Tag des offenen Ateliers in der Elbmarsch

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