Monique Lhoir ... Geschichten, Meer und noch mehr
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Das Ende der lauenburgischen Herzöge

     Julius Heinrich war ein Sohn von Herzog Franz II. von Sachsen-Lauenburg aus dessen zweiter Ehe mit Maria, Tochter des Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel. Alleine mit Maria hatte Franz vierzehn Kinder. Ausgebildet wurde Julius Heinrich an der Uni-versität Tübingen. Kurze Zeit stand er in den Diensten des schwedischen Königs Gustav II. Schon in seiner Jugendzeit konvertierte er zum Katholizismus über.

     Bereits mit dreißig Jahren stand er in kaiserlichen Diensten. Er befehligte ein Regiment gegen die Repu-blik Venedig. Ebenfalls dreißigjährig heiratete er aus politischen Gründen die um vierundzwanzig Jahre ältere Anna, eine Tochter des Fürsten Edzard II. von Ostfriesland, die mit ihm bereits ihre dritte Ehe ein-ging. Sie brachte Julius Heinrich erhebliche Güter ein. Die Verbindung blieb kinderlos. Anna starb im Jahre 1621 neunundfünfzigjährig nach vier Jahren Ehe.

     Während dieser Zeit befehligte Julius Heinrich ein Regiment in Ungarn und wurde als Kammerherr von Kaiser Ferdinand II. als Gesandter an den dänischen Hof Christians IV. geschickt. Im Jahre 1619 stiftete er gemeinsam mit dem Grafen von Altheim und dem Her-zog von Nevers den Ritterorden von der Empfängnis Mariä, welcher 1624 päpstlich bestätigt wurde.

     Im Jahr 1623 erhielt Julius Heinrich aufgrund be-sonderer Verdienste durch den Kaiser die Herrschaft über Stadt und Schloss Schlackenwerth, eine König-stadt im heutigen Tschechien, die auf dem Handelsweg von Prag nach Eger lag und durch Zolleinnahmen Reichtum erlangte. In Schlackenwerth ließ später Julius Franz ein luxuriöses Schloss mit Park anlegen, wel-ches zu seiner ständigen Residenz wurde.

     Im Jahre 1628 heirate Julius Heinrich, inzwischen vierzigjährig, die neununddreißigjährige Elisabeth Sophie, Tochter des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg. Sie gebar ein Jahr später den Sohn na-mens Franz Erdmann. Bereits zehn Monate nach der Geburt des Sohnes starb sie im Dezember 1629. Auch sie brachte Julius Heinrich einiges Vermögen ein.

     Im gleichen Jahre erhielt Julius Heinrich den Ober-befehl über die kaiserlichen Truppen in Polen und ver-handelte 1632 einen Friedensschluss mit dem Kurfürs-ten von Sachsen aus.

     Ebenfalls 1632 vermählte sich Julius Heinrich in dritter Ehe mit der Witwe Anna Magdalene Kolowrat-Nowohradsky, die ihm gleichwohl bedeutende böhmi-sche Günter, darunter auch Reichstadt, zubrachte.

     Julius Heinrich galt zu dieser Zeit als Vertrauter und enger Freund Wallensteins. Er geriet in Verdacht, in dessen Anschläge gegen den Kaiser des Heiligen Römi-schen Reiches Ferdinand II. verwickelt zu sein. Nach Wallensteins Ermordung im Jahre 1634 wurde Julius Heinrich verhaftet und in Wien eingekerkert. Der kai-serlichen Kommission konnte er sich allerding durch seinen Stand als Reichsfürst entziehen. Nach dem Frie-den von Prag im Jahre 1635 wurde Julius Heinrich wie-der aus der Haft entlassen.

     Anna Magdalene schenkte Julius Heinrich sechs Kinder. Vier davon erreichten nicht einmal das erste Lebensjahr. Lediglich die Tochter Maria Benigna Fran-ziska, geboren am 10. Juli 1635, wurde sechsundsechzig Jahre.

     Nach dem Tod von Ferdinands II. durfte Julius Heinrich wieder bei Hof in Wien erscheinen und wurde von Ferdinand III. auf mehrere diplomatische Missi-onen geschickt.

     Am 16. September 1641 wurde sein weiterer Sohn mit dem Namen Julius Franz - Julius Heinrich war fünfundfünfzig Jahre alt - geboren. Der ältere Sohn von Julius Heinrich, Franz Erdmann, war zu dieser Zeit bereits zwölf Jahre.

     Bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden im Jahre 1648 gelang Julius Heinrich die Bestätigung des Stiftes Ratzeburg für das Lauenburgische Haus.

     Sein Sohn Franz Erdmann heiratete 1654 im Alter von fünfundzwanzig Jahren seine neunundzwanzigjäh-rige Cousine Sibylle Hedwig, Tochter des Herzogs Au-gust von Sachsen-Lauenburg. Ihre Ehe blieb kinderlos.

     Im Jahr 1656 starb Julius Heinrichs Halbbruder Au-gust. Julius Heinrich folgte ihm im Alter von nunmehr siebzig Jahren als Herzog von Sachsen-Lauenburg.

     Beim Regierungsantritt bestätigte er die Privilegien der Ritter- und Landschaft. 1658 verbot er alle Verpfän-dung und Veräußerung von Lehen.

     Gemeinsam mit seinen Söhnen Franz Erdmann und Julius Franz legte Julius Heinrich im Jahre 1660 in Abenthorp einen Tiergarten an. Sie nannten den Ort Juliusburg. Am 20. November 1664 starb Julius Hein-rich im Alter von neunundsiebzig Jahren an Alters-schwäche.

     Julius Heinrichs ältester Sohn Franz Erdmann folgte dem Vater 1665 als Herzog von Sachsen-Lauenburg, re-gierte aber kein volles Jahr, bevor er im Alter von nur siebenunddreißig Jahren starb.

     Sein jüngerer Halbbruder Julius Franz wurde sein Nachfolger. Julius Franz heiratete siebenundzwanzig-jährig im Jahre 1668 die achtzehnjährige Hedwig, Tochter des Pfalzgrafen Christian August von Sulzbach. Im Gleichen Jahr starb Julius Franz‘ Mutter Anna Mag-dalene.

     Hedwig schenkte ihrem Mann drei Töchter, aber nur Anna Maria Franziska, geboren am 13. Juni 1672, und Maria Sybilla Augusta, geboren am 21. Januar 1675, erreichten das heiratsfähige Alter.

     Hedwig starb einunddreißigjährig im Jahre 1681 und hinterließ die erst neun- und sechsjährigen Töchter. Die Kinder wurden ab sofort von der Gräfin Polixena von Werschowitz erzogen.

     Acht Jahre nach Hedwig starb auch Julius Franz im Jahre 1689. Er war erst siebenundvierzig Jahre. In höf-ischen Kreisen wurde gemunkelt, Julius Franz sei ver-giftet worden. Im Verdacht stand Gräfin Polixena von Werschowitz, die offensichtlich auf das Vermögen aus war. Beweise für ein Mordkomplott ließen sich jedoch nicht finden. Allerdings hatte Julius Franz fünf Tage vor seinem Tod seine Töchter, inzwischen siebzehn und vierzehn Jahre alt, testamentarisch unter den Schutz von Kaiser Leopold I. gestellt, sodass die Komtesse leer ausging.

     Nach Julius Franz‘ Tod kam es zu Erbstreitigkeiten, obwohl die weibliche Erbfolge in Sachsen-Lauenburg bereits eingeführt worden war. Für Kaiser Leopold I. kam dieses Testament sehr gelegen, da er noch zwei hochverdiente Fürsten, die in seinem Dienst standen, entlohnen musste. Kurzerhand beschlagnahmte er das Land. Den beiden Töchtern verblieben nur ihre böhmi-schen Besitzungen. Sie mussten zu ihrer angeheirateten Tante, der Herzogin Lobkowitz-Sagan nach Schloss Reichstadt umziehen. Kaiser Leopold I. teilte das Erbe auf die beiden Töchter auf. Er wollte die ältere mit seinem Feldherrn Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden verheiraten und die jüngere mit dessen Cousin Prinz Eugen. Mangels männlichem Erben und mit er-heblichem Vermögen ausgestattet stellten die beiden Töchter also eine gute Heiratspartie dar.

     Mit dem Tod von Julius Franz starb die Linie von „Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg“ aus. Nach langen Erb-streitigkeiten zwischen Dänemark und dem Fürstentum Lüneburg ging nach einem Hamburger Vergleich im Jahre 1693 das Herzogtum Sachsen-Lauenburg an die Welfen. Die Töchter Franziska Sibylla Augusta und Anna Maria Franziska kämpften zeit ihres Lebens ver-geblich um die Anerkennung ihrer Rechte.

 

Der angelegte Tierpark in Juliusburg verfiel und wurde bereits im Jahre 1704 wieder eingeebnet, da es niemanden mehr gab, der sich darum kümmerte.

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