Monique Lhoir ... Geschichten, Meer und noch mehr
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Aufzucht und Pflege des "Feuerpferdes"

Schreibwerkstatt

 

Zuerst war es nur eine Idee, dann wurde im Mai 2003 ein Fohlen geboren. Die Methode war, zu viert reihum weiterzuschreiben. Dies klang einfach, besonders wenn jeder nur einmal im Monat eine Fortsetzung zu erbringen hatte.

Bis zum Mai 2005 hatten wir es trotzdem nur bis zur 15. Folge geschafft. Da kam plötzlich der Einfall, am Wettstreit der Literaturplattformen des Web-Site-Verlags teilzunehmen.

„Kein Problem", sagten wir, „zu viert ist das in drei Monaten machbar." Sehr schnell stellte sich heraus, dass der vierte Autor nicht mehr auffindbar war - da waren wir nur noch drei.

„Kein Problem, dann müssen wir eben etwas schneller schreiben", sagten wir.

Im Juni gab es noch nicht wesentlich mehr Text, als bereits vorhanden gewesen war - nicht einmal ein Viertel dessen, was wir insgesamt zu leisten hatten. Zu allem Überfluss fiel unsere dritte Schreiberin wegen Krankheit aus – da waren wir nur noch zwei.

Es ist von Vorteil, eine gute Co-Autorin zu haben. „Monique, kannst du weitertippen, dann fange ich schon mal vorne mit dem Überarbeiten an." Und so tippte ich ab Mitte Juni munter drauflos – drei Wochen ununterbrochen. Sofort nach Büroschluss setzte ich mich hin. Essen gab es nur noch im Stehen, der Einkauf wurde im Laufschritt unterwegs erledigt, die Wäsche stapelte sich, vom Staub will ich gar nicht reden. Ich dachte, danach hätte ich das meiste geschafft.

Eine völlig falsche Annahme, denn nun kam die Hauptarbeit: Jedes Kapitel wurde, sobald es im Rohentwurf stand, in die Schreibwerk-Liste gegeben. Die SchreibwerkerInnen haben unermüdlich rezensiert und korrigiert. Die Texte kamen zurück, wurden geändert, angepasst und umgeschrieben. Ende Juli stand der gesamte Text im Rohentwurf.

Während ich noch am Schluss schrieb, korrigierte ich gleichzeitig den Mittelteil, diskutierte Plotfragen, die den Anfang betrafen, schrieb am Schluss weiter, ergänzte im vorderen Drittel fehlende Textpassagen.

Wieder gaben wir den Gesamttext den fleißigen SchreibwerkerInnen zum Lesen und Korrigieren. In Mengen kamen Änderungsvorschläge und Korrekturen zurück. Ich habe noch nie so viele „Fähnchen" auf einmal gesehen – und noch nie so wenig geschlafen. Zu zweit schien es unmöglich, das alles bis zum vorgegebenen Termin zu schaffen. Ich verlor die Übersicht und wollte nur noch weglaufen.

Mitte August, als noch kein Ende in Sicht war, erst der zweite Korrekturlauf begonnen hatte – war ich so weit, dass ich die Berge von Papier und „Fähnchen" schlicht und einfach in den Papierkorb befördern, meine Schreiberei für immer und ewig an den Nagel hängen und meine so gewonnene Freizeit zukünftig mit Stickarbeiten ausfüllen wollte.

Hier zeigte sich, was gute Lektoratsarbeit ist: Annemarie brachte nicht nur Struktur ins Chaos, sondern schaffte es mit feinem Gespür, eine völlig am Boden zerstörte Autorin aufzurichten und so zur Weiterarbeit zu zwingen. Ich biss die Zähne zusammen – so stark, dass ich drei Wochen lang eine extreme Zahnentzündung hatte, die nach Beendigung von „Feuerpferd" operativ behoben werden musste.

Hat sich das gelohnt?

Ja – es ist wie bei der Geburt eines Kindes: Sobald die Wehen vorbei sind, man das fertige „Produkt" in den Händen hält, sind alle Schmerzen vergessen. Ein bisschen leer fühlt man sich – es fehlt etwas, was einen monatelang begleitet hat, man ist traurig und gleichzeitig auch glücklich. Ein unbeschreibliches Gefühl. Und bereits in diesem Augenblick denkt man über die Planung des zweiten Kindes nach.

Eine Ausnahme? Nein, diese Vorgehensweise und der Arbeitsaufwand sind bei jedem Buchprojekt der Regelfall, da sollten wir uns gar keine Illusionen machen.

„Das Feuerpferd" ist ein hervorragendes Buch geworden – und niemand, der es liest, wird die Tränen, die Wut, die Verzweiflung, aber auch die Freude erahnen können, die in jeder einzelnen Zeile stecken.

 

(c) Monique Lhoir und Annemarie Nikolaus

 

Im Auftrag der Roman-AutorInnen Gruppe: http://schreibwerk.fv-verlag.de

„Das Feuerpferd" - Fantasy-Roman von Sabine Abel, Monique Lhoir, Annemarie Nikolaus, ab 12 J., ca. 220 Seiten

 

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