Monique Lhoir ... Geschichten, Meer und noch mehr
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Münch's hausen in Geesthacht, denn Till's Eulen spiegeln verkehrt

6. Zugabe: Garagen

8.06.2016

     Am nächsten Tag beendete ich mein autobiografi-sches Schreibseminar frühzeitig und erklärte meinen Teilnehmern, dass ich mich gerade mit einer kuriosen Münchhausen- oder einer Till-Eulenspiegel-Geschichte oder einem Schildbürgerstreich beschäftigte. Ich erklär-te die Situation, hatte viele Lacher auf meiner Seite und vor allem Verständnis auf breiter Front.

      Pünktlich wie verabredet erschien der Herr von der Bergedorfer Zeitung. Wir sprachen ab, ihn vorher nicht offiziell vorzustellen, um eine zwanglose Plaude-rei auf dem Garagenhof zu gewährleisten. Als wir kurz vor dem Treffpunkt anlangten, vernahmen wir bereits eine lebhafte und laute Diskussion. Somit kamen wir gar nicht in die Zwangslage, dem Makler den Herrn von der Presse vorzustellen, denn wir wurden nicht einmal richtig wahrgenommen, geschweige denn in angemes-sener Form begrüßt.

     Der Makler bestand darauf, dass wir nun alle unsere Garagen zu tauschen hätten, da alle Garagenbesitzer laut Teilungsplan falsche Garagen nutzen würden. Die-ses recht dubiose Anliegen löste einerseits Gelächter, andererseits aber auch Empörung aus. Die Tatsache, dass dieses Verwirrspiel erst nach über elf Jahren auf-gefallen war, amüsierte allerdings alle Garagenbesitzer. Einen Umtausch beziehungsweise Umzug in andere Garagen nach über elf Jahren sahen die Besitzer aller-dings nicht ein, da einige Garagen nicht nur aufwendig saniert, sondern zusätzlich mit elektrischen Garagento-ren ausgestattet worden waren.

     Der Makler war für überhaupt keiner Argumentation zugänglich, sondern bestand auf den Teilungsplan. Sämtliche Diskussionen drehten sich im Kreise und drohten zu eskalieren. Der Makler führte sich wie Rum-pelstilzchen auf, sodass wir neben Münchhausen, Till Eulenspiegel und den Schildbürgern über eine umfang-reiche Märchenansammlung verfügten. Nicht selten mussten die Garagenbesitzern sich gar Beleidigungen gefallen lassen, wie Bemerkungen: „Haben Sie studiert? Ich ja. Dann müssen Sie wissen, dass der Teilungsplan rechtsgültig ist“ und so weiter. Als gar ein Garagenbe-sitzer berechtigter Weise dem Makler androhte, ihn eins auf die Nase zu hauen, unterbrach der Herr von der Bergedorfer Zeitung die Diskussion und stellte sich vor. Im Nu war alles ruhig, der Makler wurde rot, die Garagenbesitzer begannen zu lachen. Jetzt wurde der Makler rasch sachlich und erklärte, er wäre von der Vonovia beauftragt worden, die Angelegenheit zu klä-ren. Auf Fragen, warum die Vonovia das nicht selbst macht, erhielten wir keine Antwort. Die Diskussion verebbte und alle gingen ohne jegliches Ergebnis nach Hause.

Am 12. Juni erschien der Artikel in der Bergedorfer Zeitung.

     Ich darf bemerken, dass Kai Gerullis sehr gut und neutral formuliert hat, nachdem, was auf dem Garagen-hof los war. Wir wurden in Geesthacht häufig angespro-chen und viele lachten über das merkwürdige Garagen-Verwirrspiel, das die Annington/Vonovia mit uns ver-anstaltet hat. Auch in meinen Autorenkreisen wurde herzlich gelacht und wir fanden, dass die besten Stories im realen Leben passieren – auch wenn sie unglaublich klingen.

     Ich habe noch mal in meine Unterlagen geschaut. Da mir die Annington die Garage mit der Nummer Neun verkauft hat, die seinerzeit an eine Frau F. vom Klaus-Groth-Weg 3 vermietet war, wurde dieser Dame von der Annington gekündigt. Die originalen Mietvertrags-unterlagen schickte die Annington mir mit der Bitte zu, mir für drei Monate die Miete von der Mieterin zu ho-len, bevor die Dame mir ordnungsgemäß den Schlüssel übergeben sollte. Die arme Frau F., wenn sie wüsste, dass man ihr falsch gekündigt hat und sie laut Teilungs-erklärung die Garage Nummer Vier angemietet hatte. Wer auch immer im Augenblick Mieter der Garage Nummer Vier laut Garagennummer ist – diese Garage gehört laut Teilungserklärung uns. Wie kann man nur so ein Chaos verursachen.

     Unglaublich ist, dass inzwischen sehr viele Men-schen damit beschäftigt sind und waren, einschließlich der Stadt Geesthacht, das Grundbuchamt und mindes-tens zwei renommierte Notare sowie sämtliche Gara-genbesitzer und Garagenmieter. Mich würde interes-sieren, welch ein Depp dieses Chaos damals verursacht hat und ob er jetzt noch bei der heutigen Vonovia be-schäftigt ist.

     Allerdings fühlen wir uns inzwischen von der An-nington/Vonovia in all den Jahren arg gebeutelt, wenn man an unsere langjährigen Heiz- und Warmwasser-Qualen, an ein riesiges Schimmel-Problem, das noch nicht wirklich ausgestanden ist, denkt. Und vieles an-dere mehr, einschließlich der Verimmo mit ihrer unsor-tierten Planung – „die man einfach aus der Schublade zieht“ und loslegt. Aber über all diese Dinge berichte ich ausführlich.

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