Monique Lhoir - Autorin und Lektorin in Tespe-Bütlingen ... Geschichten, Meer und noch mehr
Monique Lhoir - Autorin und Lektorinin Tespe-Bütlingen... Geschichten, Meer und noch mehr

Miezi aus Tespe-Bütlingen schreibt an die Welt

Ich werde die kleine Miezi nicht vergessen. Ich bin am nächsten Tage rumgelaufen, habe Flyer verteilt, Leute befragt in der Hoffnung, deine Familie zu finden, klei-ne Miezi. Bis heute hat sich niemand gemeldet – die Flyer hängen immer noch. Und somit habe ich be-schlossen, dass du in meinem Herzen bleiben wirst. Ein mahnendes Beispiel für Rücksichtslosigkeit, ob-wohl doch alles so einfach gewesen wäre, hätte der Unfallverursacher angehalten.

Ich habe eine kleine Geschichte gefunden – die hät-test du wahrscheinlich schreiben können. Arme kleine Maus.

 

Und während ich das lese, lausche ich einer eindrucksvollen Musik. Die ist für dich, unbekannt Miezi. Wir haben hier noch das Kreuz von unserem alten Kater Max - werden wir nicht vernichten, nur versetzen, und wir stelle immer eine Kerze für dich auf.

Für dich, kleine Miezi.

 

Gedanken einer sterbenden, unbekannten Hauskatze

 

Ich hoffe, diese Geschichte lesen ganz viele Menschen. 

 

Es war ein regnerischer Tag, als ich von meinem Zuhause noch einmal einen Streif-zug durch die große Wiese machen wollte. Der Rasen und die Büsche waren naß, und es war mir eigentlich doch zu ungemütlich, bei diesem Wetter noch draußen zu bleiben. Ich wollte so schnell wie möglich wieder nach Hause, denn nun fing auch schon wieder der Regen an. Die breite Straße, die mich von meinem schönen, trockenen Zuhause trennte, schien mir leer, und der Asphalt glänzte vor Nässe. Ich lief so schnell ich konnte los – doch das Auto war auf einmal da. So schnell kam es auf mich zu. Die Scheinwerfer blendeten meine Augen – und plötzlich spürte ich einen schlimmen, ganz schlimmen Schmerz. Ich wurde durch die Luft geschleudert und fiel mit meinem Körper auf die Kante der Straße, die dort angebracht war, weil da ein Rasen und Bäume wuchsen.

Ich hatte so furchtbare Schmerzen, und ich hatte solche Angst. Als ich mein Köpf-chen hob, sah ich das Auto, das mich angefahren hatte, und ich konnte es nicht verstehen: es fuhr weiter. Es fuhr einfach weiter und ließ mich hier liegen! Und ich hatte doch solche Schmerzen! Ich versuchte aufzustehen, doch es ging nicht. Mein Hinterbein tat so schrecklich weh, und auch das Luftholen fiel mir furchtbar schwer. Jetzt fing es auch noch ganz stark zu regnen an, und ich spürte, wie sich um mich herum eine Pfütze bildete. Das Wasser auf der Straße wurde immer höher und ich hatte kaum noch Kraft, meinen Kopf hochzuhalten. Wasser lief in meine Nase, lief in meinen Mund, und es tat so furchtbar weh!

Autos fuhren an mir vorbei. Es waren viele Autos, und immer wieder versuchte ich, mein Köpfchen zu heben, damit die Menschen, die in den Autos fuhren, sehen konnten, daß ich Hilfe brauche – doch keiner hielt an.Ich weinte vor Schmerzen, doch niemand sah meine Tränen. Niemand war da, sie fuhren alle an mir vorbei. Ich fühlte, dass mein Leben zu Ende ging, und ich wollte doch gar nicht sterben! Ich war doch immer lieb gewesen! Ich habe doch so gern mit den Menschen ge-schmust und sie nie gekratzt. Ich habe doch auch meinen kleinen Menschenfreund mit seinen Eltern rechtzeitig geweckt, als das Feuer ausgebrochen war! Habe ich mich nicht immer mit Zärtlichkeiten bedankt und meine Liebe zu den Menschen gezeigt, weil ich ihnen so vertraute? Ich fing an zu frieren. Es war so kalt, und ich hatte so entsetzliche Schmerzen! Warum, ihr Menschen, fahrt ihr alle an mir vor-bei? Warum helft ihr mir denn nicht? Ich möchte noch nicht sterben! Ich bin doch erst drei Jahre alt! Ich weiß nicht, wie lange ich in dieser nassen Pfütze gelegen habe. Ich wurde auf einmal ganz müde. Ich versuchte, mein Köpfchen aus der Pfütze herauszuhalten, doch ich hatte keine Kraft mehr. Mein Kopf fiel ins Wasser zurück und ich dachte: „Jetzt ist es aus. Jetzt stirbst Du.“

Da – auf einmal waren Menschen da. Sie streichelten meinen kalten Körper und hoben mich hoch. Ich wurde in eine Jacke eingewickelt und vorsichtig in ein Auto getragen. Ich freute mich, trotz meiner schlimmen Schmerzen, so sehr! Es gab doch noch gute Menschen, die mir helfen wollten. Sie fuhren mich zu einem Tier-arzt, der ganz in der Nähe war, und ich versuchte ganz ruhig zu bleiben, damit ich meine Schmerzen besser ertragen konnte. Die Menschenfrau, die mich trug, strei-chelte mich unentwegt, die beiden Kinder im Auto weinten vor Sorge um mich, und die Fahrerin bemühte sich, vorsichtig zu fahren, damit ich keine Erschütterungen spürte.Ich dachte an meine Familie zu Hause, an die guten Leckerchen, die ich immer bekam, und ich freute mich so sehr, daß man mir helfen wollte. Die fremden Menschen waren so besorgt, und wie gern wollte ich weiterleben in dieser Men-schenwelt! Ich hörte die Fahrerin sagen: „Endlich, wir sind da – jetzt wird alles gut!“ – da wurde es um mich plötzlich dunkel und kalt, und ich spürte – es war zu spät! Ich hatte keine Kraft mehr in meinem Körper und fühlte keine Schmerzen mehr! In den Armen der fremden Frau schlief ich für immer ein, als sie mit mir an der Haus-tür des Tierarztes stand.

Danke, den Menschen, die mich nach endlos langer Zeit schwerverletzt mitnah-men, um mein Leben zu retten; danke den beiden Kindern, die vor Sorge um mich, eine unbekannte Hauskatze, weinten und Verachtung den Menschen, die so herzlos sind, an einem schwerverletzten Tier vorbeizufahren …

Diese Geschichte ist leider nicht erfunden sondern passiert wirklich täglich.

Die Geschichte stammt von Barbare Hickmann,  bei der ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte, dass ich hier die Geschichte verwenden durfte.
 

 

 

Buchtipp!

Christine Konstantinidis

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