Monique Lhoir ... Geschichten, Meer und noch mehr
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8. Akt: Die Politik

     Ergebnis der außerordentlichen Eigentümerversamm-lung war, dass die frisch gebackenen Eigentümer rund-weg die Sanierung des Daches auf ihre Kosten ablehnten, da das Dach bereits beim Verkauf der Wohnungen von der Annington defekt war und es sich hier einwandfrei um einen versteckten Mangel handelte.

     Bereits im Oktober stellte ich erneut fest, dass die Wohnung kalt und feucht war und eine unangenehme beschlagene Kälte von den Wasch- und Trockenräumen zu mir hochzog. Ich fühlte mich einfach nicht wohl, ab-gesehen davon, dass von Zeit zu Zeit sowohl die Heizung als auch das heiße Wasser ausfielen. Es war keine Kon-stanz festzustellen und Beschwerdetelefonate wurden schlichtweg ignoriert, falls ich überhaupt jemanden er-reichte.

     „Hast du den Artikel gelesen?“, fragte mich mein Part-ner. „Das erklärt alles“, meinte er. Er schickte mir einen Link von Zeit-Online, in dem der komplette Text nachzulesen ist.

     „Die Leimies haben euch komplett übers Ohr gehau-en“, sagte er, als ich den Artikel gelesen hatte. „Von An-fang an hat dieser Verein nicht mit offenen Karten ge-spielt. Dies ging schon mit den dubiosen Besichtigungs-termin sowie mit den bis heute nicht eingehaltenen Ver-sprechungen bis hin zu dieser kriminellen Dachsanie-rung, die ihr bezahlen sollt, los. Ich schätze, das wird nicht das Ende sein.“

     „Stimmt“, gab ich zu. „Und Raubtierkapitalismus, was dieser Volker Riebel als Vorsitzender der Deutschen An-nington betreibt, ist es allemal.“ Ich las laut vor: „Mit über 230.000 Mietwohnungen ist Annington nun größter deutscher Immobilienbesitzer; übers ganze Bundesgebiet erstreckt sich das Imperium, von Aachen bis Cottbus, von Flensburg bis Freiburg. Und dabei soll es nicht bleiben: In fünf Jahren will Annington eine halbe Million Woh-nungen in Deutschland besitzen, in zehn Jahren eine Mil-lion.“ Ich sah auf: „Mein Gott“, sagte ich, „damit können die komplett die Mietpreise diktieren“, erklärte ich. „Da können wir nur hoffen, dass das niemals passiert. Du hast Recht, die Leimies meinen immer noch, sie wären Koloninalherren und wir in Deutschland sind deren Ko-lonie.“

     Ich machte eine Pause. „Der Chef von dem Riebel, ein David Pascall, fordert von ihm, dass bis zum Jahre 2006 an die 10.000 Wohnungen privatisiert werden sollen. Nun, da gehöre wohl ich mit meiner Schrottbude dazu, die sie mir verkauft haben.“ Ich schnaubte durch die Na-se. „Sie fordern eine Rendite von 20 %. Das heißt also, sie haben mir den Schrott viel zu teuer verkauft. Allerdings war deren Politik, dass an die Mieter verkauft werden sollte. Meine Wohnung stand aber leer. Die Mieter woll-ten die nicht haben.“

„Kann ich verstehen, bei dem Ärger, den du inzwischen hattest. Und die kannten die Wohnung.“ Mein Partner schaute mich belustigt an.

     „Stimmt. Aber die gingen sogar davon aus, dass die Mieter bei einem solchen Angebot mehr für ihre Woh-nung zahlen würden, als branchenüblich und sie somit eine hohe Rendite erzielen würden. Meine Vormieter haben sich das aber offenbar reichlich überlegt.“

     „Schade, dass du die Vormieter nie kennengelernt hast“, meinte mein Partner. „Da hättest du dir die Ange-legenheit reiflich überlegt.“

     „Stimmt“, gab ich kleinlaut zu. „Ich habe mich viel zu wenig darum gekümmert, weil ich davon ausging, dass alles mit Anstand funktioniert und nicht mit kriminellen Mitteln und auch noch mit Lug und Betrug.“ Ich machte eine Pause. „Riebel sagt zusätzlich“, sprach ich weiter, „dass eine eigene Wohnung sei die beste Altersversor-gung sei. Das sehe ich auch so, wenn man nicht Schrott zu überhöhten Preisen kauft und anschließend auf Teu-fel komm raus sanieren soll. Dann hätte ich mir auch einen Neubau leisten können. Abgesehen von dem ewigen Ärger.“

     „Die Leimies, die Leimies, kann ich dazu nur sagen“, und nickte vielsagend.

     „Ich wusste vorher gar nicht, wer überhaupt Annigton ist“, erklärte ich. „Ansonsten hatte ich angenommen, dass in Deutschland solch kriminelle Machenschaften gar nicht existieren dürften. Es geht doch nicht an, dass sogar notariell beglaubigt solche falschen Geschäfte betrieben werden dürfen.“

    „Siehst du doch“, meinte mein Partner. „Nur Rendite ist gefragt. Da sind alle Mittel Recht. Der Mensch wird gar nicht mehr gesehen.“

     „Stimmt“, gab ich im Recht. „Riebel sagt auch weiter, dass sich der Unternehmenswert auch mit Mieterhöhun-gen steigern lässt. In einigen Regionen sei das Mietspie-gelniveau noch nicht erreicht worden.“ Ich grunzte. „Aber wenn ich mir die Wohngegend ansehe, in der ich meine Wohnung gekauft habe, ist diese Gegend der nackte Hor-ror mit all dem Dreck. Wie wollen die denn die Gegend auf Mietspiegelniveau anheben? Das gehört aber viel In-vestition und Arbeit dazu.“

    „Die du zahlen sollst. Sie wollen die Mieten pro Jahre um ein Prozent steigern, sagt Riebel“, erklärte mein Mann. „Allerdings hält sich die Annington wohl selbst nicht an diesen Aussagen, denn in einigen von der RWE gekauften Wohnungen haben sie im Jahre 2004 gleich die Mieten um 20 Prozent erhöht. Sag ich doch, typisch Leimies.“

     „Sie wollen die Wohnungsrenovierung standardisieren und an Generalunternehmen vergeben und Lieferanten mit ihrer Preispolitik als Großkonzern unter Druck setzen sowie Arbeitsplätze abbauen“, fügte ich hinzu. „Aber zu-erst hätten mal die Wohnungen sanieren müssen, die sie zu absolut überhöhten Preisen verkauft haben. Verspre-chungen, nichts als Versprechungen, die nach immerhin zwei Jahren überhaupt nicht eingehalten wurden. Und das defekte Dach wollen sie zusätzlich den neuen Eigen-tümern aufs Auge drücken, obwohl der Mangel bereits vor den Verkäufen der Annington hinreichend bekannt war.“

    „Heuschrecken.“ Mein Partner spuckte förmlich das Wort aus. „Leimies sind Heuschrecken.“

    „Nein“, erwiderte ich. „Zusätzlich stark zurückgeblie-ben, denn sie haben noch nicht bemerkt, dass der Ko-lonialismus bereits seit hunderten von Jahren vorbei ist. Aber was wollen die Engländer auch sonst. Sie haben nichts anderes als Versklavung und Ausbeuterei gelernt und betreiben diese Methode noch immer.“

     „Die ganze Diskussion nutzt nicht“, erwiderte mein Partner. „Du hast die Wohnung gekauft und nun sehen wir mal weiter. Was gibt es zum Abendessen?“ Offenbar war unser Gespräch zu Ende und ich wanderte in die Küche. Wenn ich zu dem Zeitpunkt gewusst hätte, dass alles noch schlimmer kommen würde, als bisher erlebt – ich weiß nicht, was ich getan hätte.

 

     Am 27. November 2006 fand eine 2. Ordentliche Ei-gentümerversammlung statt. Zu Punkt 2 der Tagesord-nung wurde über die Begutachtungen zur Dachsanierung berichtet. In Punkt 6 wurde beschlossen: Die Dachsanie-rung wird wie folgt vorgenommen: Das Dach wird mit einer EPDM Bahn gemäß Planung / Ausschreibung Frau Dipl.-Ing. Henning saniert. Zur Finanzierung dieser Maß-nahme wurden 36.000 EUR von der Deutschen Anning-ton Nord GmbH zur Verfügung gestellt.

 

     Schließlich hatte ich endgültig die Nase von dieser Deutschen Annington voll und beschloss, zu meinem Lebensgefährten nach Hamburg zu ziehen. Die Wohnung überließ ich ab Dezember 2006 meinem Sohn. Ich war die ewige Baustelle und den Ärger mit der Deutschen An-nington leid.

    Der die Verkäufe des Annington-Bestandes vorange-triebene Dr. Volker Riebel verließ zur gleichen Zeit den Konzern. Was er wohl falsch gemacht hatte? Oder hatte er auch einfach die Nase voll?

 

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